»Ein Boot«, sprach Sven Hensel, war in seinem Traum aufgetaucht. Es war ein schöner Traum mit regenbogenfarbenen Zebrastreifen unter sternenklarem, blauem Himmel – doch als das Stichwort »Nieselregen« fiel, fühlte sich das Wuppertaler Wetter herausgefordert und ließ uns in die gemütliche Hutmacher-Bar nach drinnen flüchten, wo bereits eine Bühne für die Fortsetzung bereitstand.

Anna Lisa Azur und Sven begleiteten uns in abwechselnder Moderation mit wunderschönen Gedichten durch den Sturm; das GAP-Festival am 24.08.2024 hatte zu Recht mit einer Mischung aus Leichtigkeit, Tiefe und Verbundenheit geworben. In mitreißender Anteilnahme und Aufopferung beschrieb Anna Lisa die Höhen und Tiefen einer Freundschaft fürs Leben, die Rettung geliebter Menschen aus tiefen Depressionen und den Umgang der Gesellschaft mit dem Thema. »Wie die Hoffnung höchstpersönlich« – das hinterließ nachhaltigen Eindruck.

Beeindruckend war zudem, wie Sven »die letzte Rechtfertigung« gegen Homophobie vortrug. »Ich bin eine Frage ohne bequeme Antwort«, stellte er klar, und er stellte sich der täglichen Diskriminierung in den Weg. Von Blutspenden bis Diktaturen, über Vorurteile hinweg und mit einem bunten Fächer der Angst entgegen. »Man kann keinen heilen, der niemals kaputt war.«

In erfrischendem Smalltalk zwischen den Vorträgen wurden auch deren Inhalte unter die Lupe genommen. Sven erklärte den Hintergrund des Spruchs »ich bin nicht wunderbar, ich bin ein Wunderbärchen«, der jenseits des Wortspiels den Szenebegriff »Bär« und die Körpergröße kombinierte.

Ein weiteres Gedicht hatte Anna Lisa noch auf Lager: Das lyrische Ich stellte sich als der weibliche Orgasmus vor und berichtete von den Vorteilen seines Daseins, von geminderter Migräne und Dopaminräuschen, weggezauberten Schlafproblemen und reduzierten Stresshormonen. Von minimierter Akne und gesenktem Blutdruck – aber auch von seiner geringen Verbreitung. »Gather and Pause« hieß das Festival, doch mit »Mind the Gap«, »Challenge the Gap«, »Bridge the Gap« und »Feel the Gap« spielten die Veranstalter bereits in Werbetexten mit der Abkürzung. Anna Lisa brachte nun auch eine Lücke ins Gespräch: die Orgasmuslücke. Denn das Beworbene als regelmäßiges Erlebnis haben 95% der Männer, aber nur 65% der Frauen, und das ist Quelle für Frustration gerade bei heterosexuellen Paaren.

Draußen waren inzwischen die Wolken verflogen, drinnen legte anschließend ein DJ auf. Ein wunderschöner Abend!