Ein richtiges kleines Dorf aus Zelten um einen großen Platz herum, mitten im Grünen und bei wunderschönem Wetter: Als wir in der Zeltstadt Bergheim eintrafen, gelangten wir durch einen Pfad zwischen Bäumen in eine Welt abseits von Alltagsstress und Autolärm. Eine Idylle auf einer Lichtung mit einem eigenen kleinen Radioprogramm, in dem gerade live der Wetterbericht durchgegeben wurde: 27 Grad im Schatten, bewölkt, kein Regen an diesem Abend.
Anna Lisa hatte dann die Ehre, im Tonstudio der Zeltstadt per Lautsprecherdurchsage einen Song Contest mit Musiker*innen aus ganz Deutschland ankündigen zu dürfen – wir waren uns nicht ganz sicher, ob das junge Publikum sich etwas unter einem »Song Slam« vorstellen konnte, aber das Veranstaltungszelt war nach dieser Ankündigung sofort gefüllt.
Für die Wertung kam diesmal ein neues Konzept zum Einsatz: Wem die Möglichkeit, eine oder zwei Hände zur Abstimmung für einen Song zu heben, nicht genügte, der konnte sich mit einem Fuß eine dritte Stimme ergattern. Das führte zu lustigen Versuchen der Ehrenamtlichen hinter dem Kneipentresen, unter ihren erschwerten Bedingungen ebenfalls drei Stimmen abzugeben. Anna Lisa erklärte zudem die Slam-Grundprinzipien: Selbst geschriebene Texte, festes Zeitlimit mit unserer wunderbaren Seifenblasenpistole, keine Requisiten oder Verkleidungen, und ganz wichtig: Respect the Artists! Das lief übrigens hervorragend.
Mit einem fetzigen Song über seine Katze, die viel zu viel Zeit drinnen verbringe, eröffnete Klinke für Gitte den Wettbewerb. Er ging zudem auf seine Bequemlichkeit ein und scherzte darüber, dass man ihn eines Tages deshalb nicht in den Himmel hinein lassen würde.
Indra Sani wechselte in ihren Songs nicht nur auf Englisch – sie drehte zudem die Gitarre um 90 Grad und begann, diese als Trommel zu nutzen. Wir staunten nicht schlecht, als der Song »Bound« unsere festgebundenen Vorstellungen von Gitarrenmusik löste.
Das aufmerksam lauschende Publikum wurde zum Chor, als Mischa Vernov »You Get Me (Out of Control)« sang. Der Refrain seines Songs lud zum Mitsingen geradezu ein und wurde dafür auch sofort genutzt. Zusammen mit einem Song über Menschen, die in schwierigen Situationen füreinander da sind, brachte ihm das genug Hände (und Füße) voll Zustimmung ein, um im Finale anzutreten:
Mit Reni. Ihre Lieder ergriffen die Zuhörer*innen sicherlich nicht zuletzt aufgrund der darin behandelten Themen: Einerseits, wie es sich anfühlt, nicht mit dem Strom zu schwimmen, irgendwie anders zu sein; auch Ablehnung zu erfahren. Andererseits, dass die Welt wunderschöne Erlebnisse zu bieten hat: »Mit dir ist ein Abend in der Stadt eine Nacht unter Sternen«, sang sie, und von schwerelosem Tanz im Nieselregen auf Pflastersteinen.
Anna Lisa hatte sich für die Ermittlung der Finalreihenfolge diesmal eine Schätzfrage überlegt: Wann wurde der Locher erfunden? Darüber hatten sich Mischa und Reni bisher keine Gedanken gemacht! Die Lösung steht am Ende des Beitrags.
Die beiden besangen anschließend Ortswechsel und Veränderungen, die zurückbleibenden Erinnerungen nach dem Umzug in eine große Stadt (»Rewind«) oder nach dem Verlust einer Beziehung. Darüber, wie sich ehemals nahe Menschen voneinander entfremden und die Zeit füreinander verlieren.
Nachdenklich und ergriffen, aber auch vollkommen begeistert von den Liedern des Abends, stimmte das Publikum für das Finale nicht mehr mit Punkten, sondern mit Applauslautstärke ab. Gewinnerin Reni gab anschließend noch eine Zugabe; die Musiker*innen standen für Fragen und Fotos sowie Autogramme zur Verfügung und das Angebot wurde ausgiebig genutzt.
Das Fazit des Abends zog Benjamin aus der Technik, und besser ließe es sich nicht zusammenfassen: »Es hat super geklappt, es war absolut gut, gute Musik, die Technik hat mitgemacht – ich bin happy!«